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Neidenbacher-Chronik Drucken

Neidenbacher-Chronik

 

Neidenbach

Lage über NN 444 m

 

Wappen:

In Silber ein blauer, schrägrechts gewendeter Schlüssel, vorne ein roter Schleifstein, hinten eine blauer Kornblume.

 

Geschichte:

Der 1177 erstmals genannte Ort „Nidenbuch“ liegt mit seiner Gemarkung ganz auf dem oberen Buntsandstein, dürfte also nicht bis in die Zeit der fränkischen Landnahme zurückreichen. Bemerkenswert ist, dass sich die Westgrenze der Gemarkung wie bei den südlichen gelegenen Orten Malbergweich und Fließem an der Römerstraße Trier-Köln orientiert.

 

Bis 1794 stand Neidenbach unter zwei verschiedenen Landeshoheiten: Etwa die Hälfte des Ortes gehörte zum kurtrierischen Amt Kyllburg, die andere Hälfte zur luxemburgischen Herrschaft Malberg. 1531 wurden neun trierische und fünf luxemburgische Feuerstätten gezählt. Nach einem starken Rückgang während des Dreißigjährigen Krieges hatte Neidenbach im frühen 18. Jahrhundert wieder seine frühere Größe erreicht und wuchs seitdem kontinuierlich weiter; 1818 betrug die Einwohnerzahl 234.

 

Bereits früher waren auf der Neidenbacher Gemarkung in mehreren Brüchen Sandsteine gewonnen worden, doch ermöglichte erst der Bau der Eifelbahn um 1870 einen Abtransport in größerem Umfang. Die wichtigste Phase setzte für Neidenbach Mitte der achtziger Jahre ein, als die Bergische Werkzeugfabrikation in großem Umfang Schleifsteine mit feinkörniger Struktur benötigte, die sich in Neidenbach in günstigen Abbaulagen gewinnen ließen. Innerhalb kürzester Zeit eröffneten Schleifsteinhändler aus Remscheid und Solingen, später auch aus Kyllburg, mehrere Großbetriebe. Die Schleifsteine, die im Durchmesser bis 3 Meter erreichten, wurden gleich im Steinbruch festgestellt und per Fuhrwerk zu den Bahnhöfen in Densborn und Kyllburg transportiert. Um die reißende Nachfrage befriedigen zu können -ein Schleifstein hatte eine durchschnittliche Lebensdauer von 4 bis 6 Wochen- mussten im beginnenden 20. Jahrhundert außer den etwa 300 Steinhauern aus Neidenbach selbst noch etwa 200 Einpendler aus den umliegenden Ortschaften in den Brüchen arbeiten. Zu dieser Zeit entstanden zahlreiche kleine Steinbrucharbeiterhäuser am Ortsrand Neidenbachs, da die nachgeborenen Bauernsöhne, die früher als Knechte ins Bitburger Gutland gezogen waren, ihren Lebensunterhalt nun in ihrem Heimatort fanden. Der abrupte Nachfrageeinbruch nach dem Ersten Weltkrieg konnte auch durch eine Neuorganisation in selbstverwalteten Kleinbetrieben nicht abgefangen werden; ein nochmaliger, bescheidener Aufschwung während der dreißiger Jahre endete mit dem Zweiten Weltkrieg, zumal inzwischen auch das Baugewerbe kaum noch Werksteine benötigte.

 

Die wirtschaftliche Blüte um 1900 und 1930 sowie die bis heute andauernde Zentralfunktion Neidenbachs (Schule, Kindergarten, Einzelhandel) haben sich sehr negativ auf den historischen Baubestand ausgewirkt. Mit den meisten Altbauten ist auch der ländliche Charakter verschwunden, der den Ort trotz des steten Rückgangs der Landwirtschaft bis vor wenigen Jahrzehnten prägte.

 

Auf dem 1901 an die Bachstraße westlich des Ortes verlegten Friedhof steht noch das ursprüngliche Friedhofskreuz. Die beiden Wegekreuze and der Kyllburger Straße (bei Nr. 12 und 15) standen zur Zeit ihrer Errichtung noch außerhalb des Ortes. Die älteren Wegekreuze der Neidenbacher Gemarkung lassen nur teilweise einen direkten Bezug zum Ort erkennen. Der kleine Bildstock oberhalb des Friedhofs und das in neuerer Zeit an die Straße nach St. Thomas versetzte Kreuz wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Pfarrhaushälterin Anna Maria Schenten errichtet. Das Kreuz nahe der nordwestlichen Gemarkung steht an der Kreuzung des ehemaligen Weges nach Balesfeld mit einem alten Weg, der etwa dem Verlauf der Römerstraße folgt, Die Wohnplätze Erntehof, Koppenweg, Nickelshof und Maierhof wurden erst im 19. Jahrhundert gegründet und weisen keine denkmalwerten Bauten auf. 1872 errichteten die Bewohner des Maierhofes ein Wegekreuz auf der Höhe zwischen dem Hof und Neidenbach. Das kleine Kreuz östlich Erntehof dürfte hingegen älter als die dortige Ansiedlung sein.

 

Baudenkmäler

 

Kath. Pfarrkirche St. Peter

 

Der 1924-26 nach Plänen des Trierer Architekten Peter Marx in nordsüdlicher Ausrichtung entstandene, großvolumige Neubau ersetzte ein kreuzgewölbtes Schiff aus dem Jahr 1778 quer zu dessen Achse; lediglich der dreiseitig geschlossne Chor blieb als östlich eingebaute Nische für die Orgelempore erhalten. Ebenfalls in den Neubau einbezogen wurde der alte Westturm mit seinem Glockengeschoss aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert und dem zum Fenster veränderten ehemaligen Westportal von 1725 (Chronogramm). Das Äußere des Neubaus in sehr schlichten, barockisierenden Formen unter Verwendung der Fenstereinfassungen von 1778. Dem stark eingezogenen Rechteckchor im Süden entspricht im Norden eine Vorhalle; seitlich am Chor eingeschossiger Sakristeianbau. Der weite Innenraum wird von einer flachen Kassettendecke abgeschlossen, im Chor rundbogiges, ebenfalls kassettiertes Tonnengewölbe. Von der Ausstattung stammen nur noch der Hochaltar, ein Seitenaltar und die Kanzel aus der alten Kirche, des Weiteren die beiden Holzsäulen unter dem Ostflügel der dreiseitigen angeordneten, schmalen Empore.

Der Neubau aus den zwanziger Jahren stellt im Gesamtwerk des vielbeschäftigten Architekten Marx ein sehr bescheidenes Beispiel dar, ist aber bezeichnend für die damals übliche Einbeziehung älterer Bauteile, die hier mit ihrer Substanz aus wenigstens drei Bauphasen die jahrhundertealte kirchliche Kontinuität in der Ortsmitte dokumentieren.

In die Stützmauer östlich des alten Chores ist der obere Abschluss eines spätgotischen Sakramentshäuschens eingelassen, über der Spitze des flachen Blendgiebels naive Kruzifixdarstellung. Das Fragment stammt sicher aus dem mittelalterlichen Vorgängerbau der barocken Kirche.

 

Densborner Straße 14 und 16

 

Ursprünglich nur zwei eingeschossige, traufständiges Unterstallhäuser aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Nr. 14 später um ein Wirtschaftsgebäude nach Süden verlängert. Die gut erhaltene, dicht gedrängte Baugruppe bietet in ihrer Gesamterscheinung ein kennzeichnendes Straßenbild aus der älteren Phase der Erweiterung Neidenbachs im 19. Jahrhundert und ist daher als Denkmalzone ausgewiesen; der seltene Typ des Unterstallhauses kommt jedoch sonst im Ort nicht vor.

 

Densborner Straße 39

 

Kleines, traufständiges Wohnstallhaus von 1884 (Türsturzinschrift). Das eingeschossige Gebäude besteht aus einem Wohnteil mit Flurküche und Stube und einem etwa gleich großen Stallteil, der inzwischen ebenfalls zu Wohnzwecken genutzt wird, aber außen durch die nur halb zugesetzte Stalltür noch ablesbar ist. In der Küche der ursprüngliche Rauchfang erhalten; giebelseitig angebauter Backofen. Das Haus ist das letzte unverändert erhaltene der Siedlung, welche die Steinbrucharbeiter in der Nähe des großen Steinbruchs am Nordrand des Ortes errichteten.

 

Im Grabenbusch 4 und 6

 

Um 1900 gegründeter Steinhauerbetrieb westlich des großen Steinbruchs am Nordende des Ortes (Nr. 4). Das Wohnhaus von 1899 (Türsturzinschrift) giebelständig, dahinter schließt in gleicher Flucht ein niedrigeres, lang gestrecktes Wirtschaftgebäude an; vor der Eingangsseite gepflasterter Hoffläche. Einen weiteren Hof hinter dem Haus begrenzt auf der Rückseite ein nach vorne größtenteils offenes Gebäude, das als Arbeitsschuppen und Remise diente. Davor eine Rampe zum Verladen schwerer Werkstücke. Auf eigener Parzelle (Nr. 6), aber vermutlich im Zusammenhang mit dem Steinhauerbetrieb, baute sich ein Steinbrucharbeiter straßenseitig vor dem letztgenannten Hof ein kleines, eingeschossiges Wohnhaus mit teilweise ausgebautem Dachgeschoss, im Sturz der Haustür datiert 1900. Nachträglich um ein Wirtschaftsgebäude verlängert.

 

Waschplatz

 

Eine der ganz wenigen erhaltenen Anlagen dieser Art, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammend und bei den vor einigen Jahren durchgeführten Sicherungsarbeiten nur in einzelnen Details unsachgemäß verändert. Großes, aus zwei Zuflüssen gespeistes Wasserbecken direkt westlich der Straße, wie der ganze, etwas eingetiefte Waschplatz von Sandsteinmauern eingefasst. Zwischen dem Niveau des Platzes und er Straße vermitteln breite Sandsteintreppen. Unterhalb des Waschplatzes die ehemalige Bleichwiese, die vom heute teilweise verrohrten Abflussgraben in weitem Bogen umzogen wird.

 

Praktische Tipps zur Ortsgemeinde Neidenbach

 

Rundwege um Neidenbach

 

Rundweg 1:

 

Neidenbach – Kuppe 524 – Straßenkreuz – Nickelshof – Neidenbacher Wald – Heilenbachtal – Maierhof – Neidenbach

 

Ausgangspunkt: Dorfbrunnen in Neidenbach

 

Durch die Densborner Straße, nach links „Im Grabenbusch“, nach der Ortschaft den ersten Weg rechts hinauf, am Wasserwerk wieder nach rechts an der Kuppe 524 vorbei zur Densborner Straße (Straßenkreuz) auf ihr links und hinter der ersten scharfen Linkskurve rechts ab zum Nickelshof, an diesem weiter rechts den Waldrand entlang und am Ende des asphaltierten Weges nicht nach rechts, sondern den Weg weiter bergauf, links an einer kleinen Lichtung vorbei, hinter dieser rechts ab in Kehren durch den Neidenbacher Wald, zum Schluss hinunter auf den kleinen Wasserfall zu, den Bach überqueren und direkt hinter diesem rechts hinauf in Richtung Maierhof, hinter diesem über die Straße geradeaus, den „Pommericher Weg“ zurück nach Neidenbach zum Ausgangspunkt.

Länge der Wegstrecke: ca. 8 km

Dauer: ca. 2 Stunden

 

Rundweg 2:

 

Neidenbach – Straßenkreuzung – Maierhof – Wasserfall (Höhe 408,4) – Eisenmännchen – Schneeberg (Höhe 517,4) – Neidenbach

 

Ausgangspunkt: Dorfbrunnen in Neidenbach

 

Den „Pommericher Weg“ hinauf, die Hauptstraße nach 150 m links an der Kreuzung hinab, am Maierhof vorbei immer rechts des Heilbaches entlang Richtung Wasserfall, an diesem geradeaus auf die Straße zu, diese überqueren, den Wald hinauf bis zur ersten größeren Kreuzung, hier den oberen Weg nach links gehen. Nach lang gestreckter Linkskurve dann rechts ab vom Hauptweg, auf schmalem Waldweg bis zum Eisenmännchen, links auf dem Hauptweg weiter geradeaus Richtung Neidenbach, auf der Hauptstraße zunächst links, nach 1250 m rechts ab in den „Pommericher Weg“ und zurück zum Ausgangspunkt.

Länge der Wegstrecke: ca. 7 km

Dauer: ca. 2 Stunden

 

Rundweg 3:

 

Neidenbach – Schneeberg (Höhe 517,4) – Eisenmännchen – Neidenbacher Bachtal – Neidenbach

 

Ausgangspunkt: Dorfbrunnen in Neidenbach

 

Zunächst den Pommericher Weg hinauf, auf die Hauptstraße, nach ca. 150 m links abbiegen, dann scharf rechts den Teerweg hinein in Richtung Eisenmännchen, an diesem rechts ab, hinunter bis an den Neidenbach. Vor diesem rechts am Bach entlang, an der nächsten Gabelung halblinks auf dem unteren Weg in Richtung Neidenbach, beim Auftreffen auf die erste Straße dieser links folgend auf dem Röderweg, zurück zum Ausgangspunkt.

Länge der Wegstrecke: ca. 7,5 km

Dauer: ca. 2 Stunden

 

Rundweg 4:

 

Neidenbach – Kyllburger Straße – Weierberg – Römerstraße – Friedhof – Neidenbach

 

Ausgangspunkt: Dorfbrunnen in Neidenbach:

 

Die Densborner Straße hinab, in der Kyllburger Straße, ca. 350 m nach dem letzten Haus rechts ab, nach ca. 20 m sofort wider links bis zum Ende des Waldrandes, hier rechts an Buschreihen entlang bis zur Hauptstraße (Höhe 506), diese ca. 300 m nach links, dann rechts ab auf der Kammlinie (Alte Römerstraße) immer am Waldrand entlang bis zum Asphaltweg, am Wegekreuz hier rechts, am Friedhof vorbei, durch die Bachstraße zum Ausgangspunkt zurück.

 

Einkehrmöglichkeiten: 3 Gaststätten

 

Öffentliche Verkehrsmittel:

 

Buslinie Nr. 4377, Abfahrt Kyllburg Kyllbrücke.

 
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